Ein Gesundheitssystem, das schon vorher überlastet war: Coronavirus in Ecuador

„Nur“ etwa 3000 bestätigte Fälle des Coronavirus in Ecuador – die tatsächliche Zahl ist vermutlich deutlich höher. Ecuador ist hiermit nach Brasilien und Chile das südamerikanische Land mit der dritthöchsten Zahl an Infizierten. Die Regierung versucht durch Ausgangsverbote, Militär und weiteren Maßnahmen die Ausbreitung zu verhindern.

Die meisten der bestätigten Fälle zentrieren sich bisher auf die Großstadt Guayaquil. Mindestens 120 Tote wurden durch das Virus in den vergangenen Tagen bestätigt und zusammen mit Todesfällen, die nicht durch das Virus verursacht wurden, sind Bestattungsunternehmen schon jetzt mit der Situation überfordert: Manchmal verweilen die Körper der Verstorbenen nach Wählen des Notrufs ganze drei Tage im Haus. Doch nicht nur in Bestattungsunternehmen gibt es Probleme.

Ein angehender Arzt aus der Hauptstadt Quito berichtete mir über die Situation des Gesundheitssystems im Land. Er ist in den letzten Semestern seines Medizinstudiums, das er als aushelfender Arzt bereits in einem öffentlichen Krankenhaus in Quito verbringt.

Wie zuverlässig ist die Zahl der Infizierten in Ecuador?

Selbst mit besserer Organisation und mehr Testmöglichkeiten, wie zum Beispiel in Deutschland, ist die Zahl der aktuell Infizierten ja nur annähernd. Aber hier haben wir nur sehr beschränkte Möglichkeiten Tests durchzuführen.

Wie ist die Situation in ecuadorianischen Krankenhäusern momentan? Wie wirkt sich das Coronavirus schon jetzt auf das Gesundheitssystem aus?

 Seit dem Anfang des Coronavirus musste sich unser Gesundheitssystem stark anpassen. Das Problem ist, dass es schon vor dem Virus mehr als überlastet war. Schon vorher gab es nicht genug ökonomische Unterstützung für die Krankenhäuser und nicht ausreichend medizinisches Personal. Die Wartezeiten für eine Operation betrug zwischen 3 und 6 Monaten, selbst wenn es sich eigentlich um einen Notfall handelte. Um nun Intensivbetten für Patienten frei zu bekommen, wurden Operationen abgesagt – auch wenn jemand lange Zeit auf den Termin gewartet hat oder zum Beispiel Krebspatient ist. Nur in den schlimmsten Fällen können wir im Moment Betten vergeben.

Können Sie ungefähre Zahlen der verfügbaren Intensivbetten im Land nennen?

 In meinem Krankenhaus haben wir 40 Intensivbetten. Ich kann keine genaue Zahl der Intensivbetten landesweit nennen, ich glaube, dass wir auf höchstens 5.000 Betten kommen können, wenn wir jetzt vorsorgen. Das wird natürlich im Ernstfall viel zu wenig sein. Der Präsident spricht im Moment von einer zu erwartenden Zahl von 100.000 Infizierten.

Aus vielen Ländern wird außerdem von einem Mangel an ausreichender Schutzkleidung für medizinisches Personal berichtet. Wie gestaltet sich bei Ihnen der Kontakt mit Infizierten oder Verdachtsfällen?

Alle, die mit Infizierten in Kontakt treten, sind im Moment noch komplett ausgestattet. Es gibt aber nicht mehr genug Schutzkleidung, um auch Ärzte und Ärztinnen auszustatten, die mit Verdachtsfällen in Kontakt kommen, was das Risiko auf Ansteckung erhöht. Wir müssten während unserer Zeit als Assistenzärzte außerdem mit Handschuhen und Mundschutz von unseren Universitäten ausgestattet werden, was nicht mehr funktioniert. Ich will an dieser Stelle auch noch von einem Vorfall berichten, der im Zusammenhang mit eingekauften Gesichtsmasken der Regierung steht. Verantwortliche der gesetzlichen Gesundheitsversorgung haben eingekaufte Gesichtsmasken im Land weiterverkauft. Eigentlich hätten sie auf dem lokalen Markt 5 Dollar kosten müssen, für satte 12 Dollar gingen sie jedoch raus! Die Differenz landete dann in privater Tasche. Können Sie sich das in dieser Situation vorstellen? Die Personen wurden bereits entlassen.  

Glauben Sie, dass eine sogenannte „Abflachen der Kurve“ in Ecuador möglich ist, speziell in der Provinz Guayas, die bisher am stärksten betroffen ist?

 Es gibt genug Gründe für mich zu glauben, dass wir das nicht schaffen können. Quarantänen können nicht eingehalten werden, einfach aufgrund der ökonomischen Situation vieler Menschen. Viele müssen das Haus verlassen, um zu arbeiten.

 „Es ist wahrscheinlicher, dass mein Kind an Hunger stirbt als am Virus“

 many people report. I also believe that in provinces like Guayas the climate plays a major role. We are talking about temperatures above 30 degrees there. The majority doesn’t have an adequate home, that makes it possible for all members of the family to stay there all day under those circumstances.  Also, in my estimation, there is not yet enough awareness of the seriousness of the situation. Here in Quito there are programs, including online via social networks, and it is easier to convince people to stick to the restrictions. I understand the difficulties many people are facing. But gatherings in large groups and behavior, that plays in the hands of the virus, has to be stopped urgently. It should have had to be stopped before, I am afraid.

Schreibe einen Kommentar